Wer zahlt den Treibstoff, wer stellt die Besatzung und wer trägt das Verzögerungsrisiko? Ein praxisnaher Vergleich von Reisecharter, Zeitcharter und Bareboat-Charter.
Über das Chartergeschäft findet der Großteil der weltweiten Ladung ihr Schiff. Die Charterpartie – der Vertrag zwischen Reeder und Charterer – verteilt Kosten und Risiken je nach Vertragsart sehr unterschiedlich. Die richtige Struktur zu wählen ist ebenso wichtig, wie die richtige Rate auszuhandeln.
Reisecharter
Der Reeder befördert eine bestimmte Ladung zwischen benannten Häfen gegen eine vereinbarte Fracht, meist pro Tonne oder als Pauschalbetrag (Lump Sum). Der Reeder bleibt für den Betrieb des Schiffes verantwortlich und trägt die Reisekosten – Treibstoff, Hafengebühren und Kanalgebühren –, sofern der Vertrag nichts anderes vorsieht.
- Liegezeit (Laytime): die Zeit, die dem Charterer zum Laden und Löschen ohne zusätzliche Kosten zusteht.
- Liegegeld (Demurrage): der vereinbarte Tagessatz, den der Charterer zahlt, wenn die Liegezeit überschritten wird.
- Eilgeld (Despatch): eine Zahlung des Reeders an den Charterer, wenn der Ladungsumschlag früher abgeschlossen wird – sofern die Charterpartie dies vorsieht.
Zu den gängigen Formularen zählt die GENCON der BIMCO für allgemeine Trockenladung, deren aktuelle Fassung die GENCON 2022 ist. Die Regelungen zur Liegezeit werden häufig festgelegt, indem die Laytime Definitions for Charter Parties 2013 der BIMCO in den Vertrag einbezogen werden.
Zeitcharter
Der Charterer mietet das Schiff samt Besatzung für einen bestimmten Zeitraum oder eine Reise und zahlt eine tägliche Charterrate (Hire). Der Charterer bestimmt den Einsatz des Schiffes und trägt die Reisekosten wie Treibstoff und Hafengebühren; der Reeder trägt weiterhin die Betriebskosten – Besatzung, Instandhaltung und Kaskoversicherung.
- Off-hire: Für Zeiträume, in denen das Schiff seine Leistung nicht erbringen kann, etwa nach einem Maschinenschaden, entfällt die Charterrate – nach Maßgabe der Off-hire-Klausel.
- Trip Time Charter: eine Zeitcharter für eine einzelne Reise – im Dry-Bulk-Markt sehr verbreitet.
Für Zeitcharter wird häufig das NYPE-Formular verwendet, aktuell in der Fassung NYPE 2015.
Bareboat-Charter
Der Charterer übernimmt das Schiff ohne Besatzung und erhält für einen langen Zeitraum die volle operative Kontrolle: Er stellt die Besatzung, betreibt und wartet das Schiff und versichert es in der Regel auch. Die Rolle des Eigentümers ähnelt der eines Finanzierers, und Bareboat-Charter kommen häufig in Schiffsfinanzierungen und Mietkaufstrukturen zum Einsatz. Das Standardformular ist die BARECON der BIMCO; ihre aktuelle Fassung ist die BARECON 2017.
Auf einen Blick
| Reisecharter | Zeitcharter | Bareboat-Charter | |
|---|---|---|---|
| Vergütung | Fracht | Tägliche Charterrate | Charterrate (langfristig) |
| Besatzung gestellt von | Reeder | Reeder | Charterer |
| Treibstoff- und Hafenkosten | Reeder | Charterer | Charterer |
| Hauptrisiko bei Verzögerungen | Reeder (nach Ablauf der Liegezeit: Charterer) | Charterer | Charterer |
Unser Befrachtungsteam bringt Ladung und Tonnage auf allen drei Vertragsbasen zusammen und verhandelt die entscheidenden Klauseln. Mehr zur Schiffsbefrachtung erfahren.
